Na wenn das mal gut geht – Teil 3 – Ich verhalte mich beim Kunden wie bei meinem Arbeitgeber!

Im Teil 3 der Geschichten über Rollen, Rollenkonflikte und Rollenklärung geht es um die Frage: Ist es in Ordnung, wenn ich mich vor Ort beim Kunden genauso verhalte, wie bei meinem Arbeitgeber? Oder sollte ich hier jeweils die Rolle des externen Mitarbeiters bzw. die Rolle des internen Mitarbeiters einnehmen? Wenn ja, wodurch unterscheiden sich denn beide Rollen?

Ich verhalte mich beim Kunden wie bei meinen Arbeitgeber!

Heute arbeite ich wieder beim Kunden direkt vor Ort. Zur Mittagszeit findet dort in der Teeküche eine kleine Firmenparty statt. Ich weiß gar nicht, was hier gefeiert wird, kenne auch kaum jemand. Egal, das sieht alles so lecker aus, ich bediene mich am kalten Buffet und gönne mir ein Glas Sekt. Schließlich ist ja Mittagszeit und ich bin hungrig.

Dann gehe ich zurück zu meinem Arbeitsplatz. Auf dem Weg hole ich mir im Sekretariat noch 2 Schreibblöcke und 2 neue Stifte. Ich setze mich ans Kundentelefon und kläre mit meinem Mann, wer das Auto in die Werkstatt bringt. Während des Telefonats wartet schon mein Projektsponsor an meinem Schreibtisch. Er benötigt dringend meine Unterstützung bei einer Prozessabstimmung. Ich muss ihm leider sagen, dass das nicht zu meinen Aufgaben gehört und ich diese Tätigkeit nicht übernehmen werde.

Ist doch in Ordnung oder doch nicht?

Küchen- / Geburtstagsfeier

Rolle = interner Mitarbeiter: Ein Kollege hat Geburtstag. In der Küche werden zur Mittagszeit allerhand Leckereien aufgebaut: Brezeln, Käse, Wurst, Obst und Gemüse und natürlich ein Geburtstagskuchen. Es ist bei uns so üblich, dass sich alle unaufgefordert in der Küche treffen, dem Geburtstagskind ein Ständchen singen, reden und gemeinsam essen. Ich gehe natürlich hin, auf eine Einladung brauche ich nicht warten.

Rolle = externer Mitarbeiter: Auch dort hat ein Kollege Geburtstag. Im Kundenteam ist es üblich, dass die entsprechenden Leute zur Feier eingeladen werden. Also gehe ich nur hin, wenn ich eingeladen bin.

Private Dinge erledigen

Rolle = interner Mitarbeiter: Klar, irgendwann muss auch ich mal während der Arbeitszeit private Dinge erledigen. Sei es ein Telefonat um einen privaten Termin zu vereinbaren oder mit den eigenen Kindern. Natürlich benutze ich dazu mein privates Handy, sitze an meinem Schreibtisch und die Kollegen können zu hören, wenn Sie wollen. Wir sind so was wie „eine Familie“, da wissen wir auch um die privaten Dinge Bescheid.

Rolle = externer Mitarbeiter: Ich schnappe mir in der Mittagspause mein privates Handy, suche mir einen Ort an dem ich niemanden störe oder gehe kurz vor die Tür um mein privates Gespräch zu führen. Ganz spannend wird es, wenn mich ein anderer Kunde anruft und kurzfristig meine Hilfe benötigt. Dann erledige ich es auch so diskret wie möglich und rechne die Zeit dafür separat ab.

Schreibbedarf

Rolle = interner Mitarbeiter: Im Sekretariat steht der große Schrank mit allem Bürobedarf. Hier kann ich mich bedienen und mir entsprechende Materialien auswählen, die ich für meine Arbeit brauche.

Rolle = externer Mitarbeiter: Den Schreibbedarf habe ich mir bei meinem Arbeitgeber geholt und ich nehme ihn, soweit notwendig, ins Kundenbüro mit. Wenn ich dennoch ganz kurzfristig etwas brauche, dann bitte ich die Sekretärin darum. Es sei denn, der Kunde möchte in seinem Haus Ordner mit Unterlagen erstellt haben. Dazu nutze ich natürlich seinen Bürobedarf. Allerdings informiere ich dafür immer noch die Sekretärin, wenn ich mich mir am großen Schrank die notwendigen Ordner nehme.

Zusätzliche Arbeiten übernehmen

Rolle = interner Mitarbeiter: Mein Chef möchte, dass ich die Vertretung für meine Kollegin während ihres Urlaubs übernehme. Dafür müssen aber einige meiner Aufgaben liegen bleiben. Ich rede mit meinem Chef darüber. Er entscheidet, dass die Prio bei der Urlaubsvertretung liegt und einige meiner Arbeiten bis nach ihrem Urlaub liegen bleiben können.

Rolle = externer Mitarbeiter: Wenn der Kunde möchte, dass ich zusätzliche Arbeiten übernehmen soll, muss ich natürlich prüfen, ob ich das inhaltlich leisten kann und ob das zum Umfang der Beauftragung gehört. In jedem Fall werde ich meinen Chef darüber informieren. Er kann mit dem Kunden den Leistungsumfang klären und für eine zusätzliche Beauftragung sorgen. Im besten Fall kann ich die Abstimmung mit meinem Chef kurzfristig am Telefon durchführen und dann die zusätzliche Leistung für den Kunden ausführen.

Bei meinem Arbeitgeber

Bei meinem Arbeitgeber bin ich sozusagen „zu Hause“, an der „Homebase“. Da gehöre ich hin. Wir sind wie eine kleine Familie. Wir unternehmen auch privat etwas zusammen. Wir vertrauen einander. Hier darf ich auch mal zeigen, was ich nicht weiß und um Unterstützung bitten oder gemeinsam mit dem Team eine für mich unbekannte Aufgabe besprechen.

Beim Kunden

Im Kundenbüro bin ich immer der „Gast“. Der Kunde hat mich bzw. meine Arbeitsleistung gekauft, um ihn zu unterstützen. Hier zählen Leistung und Ergebnisse. Meine privaten Themen bleiben so weit wie möglich hier aussen vor. Auch die Leistung für einen weiteren Kunden hat hier nichts zu suchen. Und wenn sich Freundschaften ergeben, dann macht das Arbeiten noch mehr Spaß.

Egal, was ich tue, ich sollte immer überlegen, ob mein Verhalten und meine Rollen zur jeweiligen Firma passen.

Denken Sie mal wieder über Ihre Rollen nach. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei und freue mich auf Ihre Geschichten.
Ihre Annette Berger

Zu diesem Thema können Sie auch lesen:
Na wenn das mal gut geht – Teil 1 – oder doch mitten im Schlammloch gelandet?
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