Begriffsdefinitionen von Soft Skills und sozialer Kompetenz – Teil 2: Respekt

Im Teil 2 der Begriffsdefinitionen von Soft Skills und sozialer Kompetenz stelle ich die Frage: Geht es um Respekt oder eher um: Meine Erwartungen werden nicht erfüllt?

Eine junge Kollegin: „Weißt du, die Praktikanten die tanzen mir auf der Nase rum. Wenn die nächste Gruppe kommt, dann lass ich mich von denen nur noch mit ‚Sie‘ anreden. Dann werden die mich ernst nehmen und mich respektieren. Und tun, was ich Ihnen sage.“

Ich: „Glaubst du das hilft?“

Kollegin: „ Na klar. Wenn die mich mit „Sie“ anreden, dann müssen die einfach Respekt vor mir haben.“

Ich: „Hmm, ich sag doch auch ‚du‘ zu dir. Glaubst du, ich respektiere dich nicht?“

Kollegin: „Natürlich respektierst du mich, das ist doch gar keine Frage. Du nimmst mich immer ernst.“

Ich: „Vielleicht liegt es dann gar nicht am ‚Du‘ oder ‚Sie‘. Vielleicht ist dann etwas anderes wichtig?! Was ärgert Dich denn am Verhalten der Praktikanten?“

Kollegin: „Ich komme aus der Besprechung und dann liegt da ein Ausdruck auf dem Tisch. Ohne Namen, ohne Überschrift, ohne Datum. Ich habe dann eine Stunde zu tun, um herauszufinden, wer das hingelegt hat. Ausserdem habe ich dann immer noch keine Info darüber, ob die Auswertung vollständig ist oder ob irgendein Teil nicht bearbeitet werden konnte. Kommt ja immer mal vor, dass den Praktikanten das notwendige Hintergrundwissen fehlt. Also muss ich es noch mal komplett nachprüfen. Das kostet mich so viel Zeit. Da hätte ich die Arbeit auch gleich selbst machen können.“

Ich: „Ja, eine Unterstützung für Dich ist das auf den ersten Blick wohl nicht. Hast Du denn schon mal mit den Praktikanten darüber gesprochen?“

Kollegin: „Bin ich noch nicht dazu gekommen, ich bin ja ständig in Besprechungen unterwegs. Ich komme kaum noch dazu, meine eigentliche Arbeit zu erledigen. Da habe ich nur Zeit den Praktikanten schnell die Aufgabe zu erklären.“

Ich: „Woher sollen die Praktikanten wissen, wie sie dir die Auswertungen „präsentieren“ sollen? Woher sollen sie wissen, was dir wichtig ist? Wissen sie, für welchen Sinn und Zweck sie die Auswertung gemacht haben?“

Kollegin: „Stimmt, können sie kaum wissen. Da werde ich mir in den nächsten Tag Zeit nehmen und ihnen erklären, was mir wichtig ist und wozu ich die Ergebnisse brauche. Dann wird ihre Arbeit hoffentlich eine Entlastung für mich werden.“

Respekt

In diesem Gespräch schien es auf den ersten Blick um Respekt zu gehen. Respekt, den eine Mitarbeiterin erwartet und den sie gern mit der respektvollen Anrede „Sie“ einfordern möchte.

Erwartungen

Auf den zweiten Blick, geht es um Erwartungen, die die Kollegin an ihre Praktikanten und an Arbeitsergebnisse hat. Auch darum, dass die Praktikanten diese Erwartungen nicht erfüllen. Letztendlich soll die Arbeit der Praktikanten eine Entlastung für die Mitarbeitern bringen. Jetzt wird auch klar, dass die Praktikanten die Erwartungen nicht erfüllen können. Sie wurden nie kommuniziert.

Klarheit in der Kommunikation sorgt später für Entlastung.

Um genau diese Entlastung zu schaffen, ist es wichtig:

  • Sich Zeit für die Einarbeitung der Praktikanten zu nehmen
  • Ihnen Hintergründe und den Sinn und Zweck ihrer Arbeit aufzuzeigen
  • Zu erklären, wie und von wem ihre Arbeitsergebnisse weiterverarbeitet werden
  • Was einem dabei selbst wichtig ist
  • Wie die Ergebnisse aussehen sollen
  • Auf welche Weise die Übergabe erfolgt
  • Wie mit offenen Punkten umgegangen wird
  • Wer wen informiert
  • Bei wem die Verantwortung für die korrekte und vollständige Erledigung liegt

Nach dem „dahinter liegenden“ schauen

In diesem Beispiel ging es vordergründig um Respekt. Der Wunsch hinter dem Respekt heißt aber: Bitte erledige die Arbeiten so, dass sie eine Entlastung für mich bringen.

Es macht also Sinn, nach dem „dahinter liegenden“ zu schauen. Wenn einem das selbst klar ist, kann man es leichter kommunizieren. Die Chance, dass die anderen es verstehen und umsetzen ist dann relativ groß.

Das folgende ist die Definition von Wikipedia für Respekt:

„Wikipedia: Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution.
Respekt wird oft durch Symbole ausgelöst oder verstärkt und bezieht sich auf unterschiedliche Verhaltensformen, so etwa:

Achtung vor der anderen Person oder Höflichkeit ihr gegenüber: „Ich behandle jeden Menschen mit Respekt.“
Anerkennung der anderen Person gegenüber: „Ich habe großen Respekt gegenüber dem Politiker, der einen Fehler offen zugibt.“
Autorität der anderen Person: „Ich habe Respekt vor meinem Vorgesetzten.“
Angst vor der Macht einer übergeordneten Person: „Durch Strenge und drakonische Bestrafungen verschaffte er sich Respekt.“
Toleranz gegenüber der anderen Person: „Ich respektiere es, wenn jemand vor dem Priester nicht niederkniet.“
Vorsicht bei Handlungen gegenüber Personen, die kränken oder Unfrieden stiften könnten: „Aus Respekt den Eltern gegenüber würde ich sie – um des lieben Friedens willen – nicht in der Gegenwart ihrer Kinder zurecht weisen. Nicht dass die Kinder danach noch quengeln““
Welche Erfahrungen haben Sie mit vermeintlich fehlendem Respekt oder unerfüllten Erwartungen gemacht? Erzählen Sie mir Ihre Geschichte.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare
Ihre Annette Berger

In dieser Reihe bereits erschienen:
Begriffsdefinitionen von Soft Skills und sozialer Kompetenz – Teil 1: Selbstbewusstsein und Souveränität
Begriffsdefinitionen von Soft Skills und sozialer Kompetenz – Teil 3: egoistisch handeln

2 Gedanken zu “Begriffsdefinitionen von Soft Skills und sozialer Kompetenz – Teil 2: Respekt

  1. Super Beitrag !!!

    Sie haben Recht: Klarheit in der Kommunikation sorgt später für Entlastung.

    Gruß
    Michael Uhlendorf

Kommentare sind geschlossen.

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